Möchte die Nacht hören wollen
Und wenn ich dann zu später Stunde die letzten Gäste zum Schlosstor begleite, bleibe ich für Minuten in der Nacht. Und es ist herrlich hier in diesem ganz besonderen Dorf am Rande: Tschengls. Das Dorf ist noch verschont von all den Glanzlichtern der vorweihnachtlichen Zeit die den Blick zum Sternenhimmel versperren. Das Dorf ruht lebendig und ruhig und das Weiß der Nacht- und Tagfröste weitet sich Tag für Tag in die Etschebene aus und erobert sich Meter für Meter. Und an jedem Morgen darf ich die Trennungslinie zwischen Schatten und Licht beobachten, die sich Richtung Sonnenberg verschiebt und ich habe das wunderbare Gefühl mit jedem Tag und Augenblick immer näher in die Winterrast einzutauchen. Und in den Gesprächen im Schloss wird das Dorf ohne winterliches Sonnenlicht zu einem außergewöhnlichen Ort. Wir haben unseren Sternenhimmel, wir haben den Blick zum Sternenhimmel frei. Und langsam legt sich ein bewusstes Sein auf dieses starke Dorf und auf die Menschen und Dorf und Menschen nehmen ihre Wirklichkeiten an und freuen sich so zu sein wie sie sind. Das Glück ist nicht immer anderswo: das Glück ist hier und im Augenblick, bei uns und in unseren Gedankenwegen. Manchmal aber verhindert der Lärm des Angwohnten, des Gewöhnlichen, des Oberflächlichen den Weg zu jener glücktragenden Landschaft, Seelenlandschaft, die uns auf einen eigenen und wachsenden Weg schickt. Und nur auf den eigenen Wegen gebären die Erzählungen, die die Zeit überdauern und immer sind und sein werden und sich in den ewigen Kreis legen. Wir wollen nicht mehr Kopien sein, wir wollen nicht mehr gelebt werden. Wir wollen leben, uns selbst und unsere Fähigkeiten und Berufungen, leben. Die Zeit ist frei und reif für uns, für unsere eigenen Wege und Träume und Wirklichkeiten. Reden wir miteinander. In jedem von uns liegt ein Stück Wahrheit verborgen. Das Schwierigste ist wohl, aus diesem Gewöhnlichen und Oberflächlichen weg zu kommen und die Sehnsucht in uns neu zu entfachen. Die Sehnsucht nach dem „verlorenen ICH“, nach dem Kind in uns, das uns die Einfachheit und Klarheit schenkt. Eine Einfachheit, die nicht mit Vorurteilen und Bewertungenm behaftet ist, sondern mit jener Kraft ausgestattet ist, die in uns allen lebt und die nach Ent-faltung und Ent-wicklung verlangt.






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