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Lichttage in Tschengls

Lichttage in Tschengls

Es ist ein wolkenfreier, kalter Novembertag heute am 17. November 2011. Heute wird für dieses Jahr die Sonne zum allerletzten Mal auf die Tschenglsburg scheinen. Am 22. Jänner 2012 sollte sie wiederkehren. Es sind also 66 Tage ohne Sonnenlicht. Für mich und ich denke auch für die meisten Tschenglser kein Grund traurig zu sein. Wir alle wissen um unser eigenes Licht, um das Licht des Sonnenberges, das uns nahe ist das wir schauen dürfen. Wir alle wissen um das  Licht der Freundlichkeit, der Liebe, der Wertschätzung, des Respekts, des Vertrauens, der Zuversicht, der positiven Gedankenwege, der Familien, der Schwächen und Stärken, der Enttäuschungen und Freuden. Wir alle kennen das Licht des Lebens. Und um dieses Licht das nicht immer und immer seltener sichtbar scheint, wollen wir uns scharen und kümmern. Das Sonnenlicht verabschiedet sich heute von Tschengls und macht den Platz frei für unser eigenes Licht. Wir freuen uns diesem Licht begegnen zu dürfen. Wir wollen heute beginnen dieses Licht in uns zu suchen, zu entdecken. Uns frei zu machen von all dem Aufgezwungenen und unfreiwillig Angelebten, vom Kopierten und Nachgeahmten, vom Oberflächlichen. Wir wollen das Licht des UNS-EIGENEN wieder neu kennen lernen, festigen und zum Wachsen bringen. Diesen Kern in uns, der nur uns gehört und den wir jetzt und immer für uns und für unsere Mitmenschen einsetzen dürfen. Jeder von uns ist einzigartig und stark und eigen und trägt ein Selbstbild in sich. Die stille Zeit, die Kostbarkeit der Stille

wird uns zu diesem unseren Kern führen und unterwegs werden wir Dinge erleben und schauen dürfen von denen wir nur geträumt haben. Es sind keine spektakulären Veranstaltungen dazu notwendig. Es reicht, wenn wir aus unserer eigenen Kraft und Überzeugung heraus wirksam werden und in aller Offenheit das leben das wir sind. Nicht das wir haben in den Vordergrund stellen, sondern das was wir sind. Bald schon werden wir merken, wie lohnend es ist diesen Weg des Seins – nicht nur des Habens und Besitzens – zu gehen und in unserem Sein werden wir uns finden und uns stärken und es wird ein Lächeln sein und ein Händedrücken und eine große zusammenfassende Liebe die sich mit dem ewigen Blau des Vintschger Himmels vereinen wird. Heimat in uns und Heimat um uns und die Fähigkeit so zu sein wie wir sind. Das wünsche ich Euch allen in diesen Tagen ohne Sonnenlicht und für immer.

 

Noch scheint die Sonne

Neugierig und bewusst habe ich gestern am Donnerstag die Sonne an ihrem scheinbar letzten Tag – für die Tschenglsburg – beobachtet und mit der Kamera  begleitet. Oben wo die beiden Berghorizonte sich in einer Tiefung kreuzen, brach auf einmal Licht hervor, vereinte sich mit dem winterkalten Blau des Vinschgauer Himmel und wollte sich durch die blättertragenden Fruchtbäume hindurch kämpfen. Wie einen starken Gruß, wie einen Abschiedsgruß empfand ich die kaum wärmenden Sonnenstrahlen und war überrascht, dass das Sonnenlicht immerhin noch ganze 13 Minuten sichtbar war. Heute am Freitag werde ich wieder hinaus gehen und die Sonne schauen und das Weiß das sich oben bei den Berghöfen nahe der Burg Tschenglsberg nun standhaft hält und alle Farben einsammelt und in seinen Schoß legt. Noch überwiegt das Sonnengelb der jungen Birken und die alten und jugendlichen Lärchen tragen immer noch ihr Herbstkleid. Die Lärche ist unser Lichtbaum: sie schenkt uns Schatten wenn wir an heißen Sommertagen den Schatten suchen und gibt Licht und Wärme frei, wenn die Tage kürzer werden und die Nächte länger. Und sobald die Lärchenhaare ihren Boden gefunden haben werden, wird alles Weiß sie bedecken und behüten und reifen und die Winterrast feiert ihren Einstand und beginnt ihren Weg.  Die Winterrast als tiefste Jahreszeit – voll von Zauber, kurzen Tagen und langer Dunkelheit, wo tief in der Erde neue Kräfte gesammelt werden, wo die Geburt für ein neues Jahr, für einen werdenden Kreis vorbereitet wird. Die Winterrast umarmt die reichen Tage und wird Gebärende für Neues und Großes und Erfüllendes. Ohne die Kostbarkeit der Stille und Rast kann der Frühling nicht aufbrechen. Der Reiz des Neuen und der Überraschung ruht über dem Tal. Wir sind dabei und freuen uns dankbar. Wir leben.

Samstag, am 19. November 2011

Vorgestern, am Donnerstag sind sie zu mir in die Burg gekommen. Die Menschen aus der Werkstatt in Prad, wo sie ihre „Unebenheiten“ leben und Betreuung und Begleitung finden. Klienten? – kann man diese Menschen, die in ihrem Denk- und Bewegungsapparat anders sind als wir „sogenannt Normale“,  Klienten nennen? Sind sie Kunden? Anscheinend tun sich auch die betroffenen Fachleute schwer, treffende Bezeichnungen zu finden, denn sie werden immer wieder ausgewechselt. Für mich sind diese Menschen die mit ihren freundlichen und kompetenten Betreuern in die Burg gekommen sind, wie ein Fluss, der nicht so sein darf wie er gerne möchte. Das Übel aber ist nicht der Fluss, sondern jene Wirklichkeit die so war wie sie war. Und diese von vielen Schwierigkeiten und Ängsten und Verzweiflung und Ausweglosigkeiten begleitete Wirklichkeit war auf das Wunder Mensch nicht genügend vorbereitet. Tief im Innersten, dort wo alle Quellen und Wasser ihren Anfang finden, war nicht ausreichend Kraft und Beständigkeit und ausgewogenes Miteinander und Sein. Und so sind diese Menschen die mit ihren selbst geflochtenen Naturkörbchen zu mir gekommen sind, Ausdruck und Bilder einer Welt die nach Sehnsucht sucht und nach Halt und Licht und Wärme. Und ich werde diese Gesichter, die bei mir waren und sind,  bei mir bewahren und das Lächeln, das sie mir an jenem Novemberdonnerstag geschenkt haben, ist Wärme, ist Licht, ist jene Kraft die sie gebraucht hätten. Damals. Nun haben diese wunderbaren Menschen ihr Lächeln in die Burg gelegt – als kostbares Weihnachtsgeschenk – und es kann von den Besuchern abgeholt werden. Danke, dass Ihr da ward und kommt bald wieder.

Euer

Karl Perfler

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