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Hallo werte Internet Besucher,

das Internet ist aktuell noch ein neues Medium für mich, zumindestens als Webmaster. Ich werde mich aber  bemühen, hier ständig einige News und Informationen zu posten.

10.Februar 2009


"Vom Reschen zum Meer"

Noch elfmal schlafen gehen und dann werden wir aufbrechen.

Die Etschquelle liegt unter tiefem Schnee und es scheint als würde der Winter stärker als sonst Winter sein wollen.

Es ist schon seltsam: der Gedanke an meine Etsch, an meinen Fluss begleitet mich durch den Tag, durch die Nacht. Wenn ich zu Fuß eine Brücke überquere, bleibe ich stehen und grüße respektvoll den Fluss, der sich jetzt anders zeigt als noch vor wenigen Wochen. Er grüßt zurück, er spricht mit mir und sein Wasser zeigt sich einladend und frei.

Alle weiteren Themen, die mich derzeit beschäftigen, wie die Wanderreise nach Cinque Terre, die Kulturtage Ende März Anfang April, das Projekt mit den Äpfeln, stehen in Beziehung mit dem Fluss. Der Fluss, die Naturlandschaften sind die Grundlage, der Ausgangspunkt. Freue mich auf den Weg mit dem Fluss, mit den Menschen und ich weiß, dass der Weg im Gehen entstehen wird.

13. Februar 2009


Sehe die Äste nicht, die Bäume, die mit dem Wind tanzen. Es ist noch dunkel und ich höre das Biegen, das Schweben und das erwartete  Crescendo des Vinschgerwindes.

Wie fast immer begleiten mich die unvergleichlichen Klänge vom Klarinettenkonzert in A-Dur von Wolfgang Amadeus Mozart in den Tag. Im ersten Satz "Allegro"  ist es ein freundliches Begrüßen und zugleich eine beglückende Gesamtheit. Ein Tanz, ein Spiel mit den Hügellandschaften, ein Erfühlen und Ertasten und ein Sich-Vollenden aus innerer Kraft und Überzeugung.  In seinem Todesjahr hat Mozart dieses Konzert komponiert.

Beim Start zur Karrnerwanderung habe ich Hannes Ortler gebeten, den 2. Satz das "Adagio" zu spielen. In der St. Benedikt Kirche in Mals. Die Melodie bahnt sich ihren Weg, sie besteht in ihrer Einzigartigkeit. Sie erzählt von jenem weiten Land hinter den Horizonten, kommt näher und vereint. Ewigkeit.

"Habt keine Angst, seid mutig, geht Eure eigenen Wege", sagt uns Mozart im 3. Satz, im "Rondo-Allegro".

"Wer einmal sich selbst gefunden, kann nichts auf dieser Welt mehr verlieren; und wer den Menschen in sich begriffen, der begreift alle Menschen". (S.Zweig)

Schwebend leicht zieht sich die Dunkelheit der Nacht zurück und gibt ihren Raum dem Lichte frei.

11. März 2009


Bin zurück und trotzdem noch unterwegs in meinen Gedanken.

Bin den Weg gegangen von der Quelle zum Meer. Musste den Weg wohl gehen, wie ich all meine Wege gehen darf, in Freiheit.

Irgendwann nach den Regentagen  und hundsmüde und mit Schmerzen an den Füßen, war ich dann dem Unmessbaren nahe. So nahe wie seit meiner Kindheit nicht mehr. Spürte eine nie dagewesene Leichtigkeit und vernahm die Weisheit des Flusses. Es war kein Neuanfang, sondern eine Fortsetzung. Eine Steigerung und anspruchsvolle, glückbringende Gegenwart. Die Horizonte waren da und weit und die Farben der Wiesen und Äcker lobten das Frühlingserwachen.

Nur an den ersten beiden Tagen hat uns der Winter der Berge begleitet. Die junge Etsch war im erstarrten Zustand und schrie trotzdem. Die Stille gab dem Schreien Raum und Bedeutung. Viel zu schnell musste die junge Etsch wachsen, von Menschen schnell gemacht und gerade geformt. Für das heranwachsen, für die eigene Kindheit blieb kein Platz. Der große Fluss wartet hinter den Bergen und nahte viel zu früh und stark. Unvorbereitet warf sich das junge Wasser in den großen Fluss.

Später - nach Tagen der Kraftanstrengung und Erkenntnis - kehrte das Gleichgewicht zurück - in Schmerzen. Auf der Schwelle viele Giftpfeile und Hindernisse und dann ....die Leichtigkeit des Seins und ein freundliches Meer.

Freitag, 13.März 2009


Jahreshauptversammlung  der WanderführerInnen auf Schloss Sigmundskron

Vom Gebetsraum darf ich Richtung Westen schauen und ich sehe, wie sich das Wasser der Etsch im Abendlicht sonnt. Für einen Moment denke ich an meinen Weg entlang der Etsch, an die Gedanken, die mir immer wieder unterwegs in den Sinn kamen.

Was ist Traum und was ist Wirklichkeit? Gibt es einen Kompromiss, gibt es ein Sich-Begegnen irgendwo in der Mitte?

Woher kommt die Gewissheit, auf einem guten Weg zu sein?

Die Türme und die gefestigten Verbindungen zu ihnen geben mir heute Abend eine Antwort. Unser Land, unsere Gesellschaft braucht Säulen an denen sie sich orientieren können. Die Säulen sind da, das Potential ist vorhanden. Es braucht aber die Brücken zu den Säulen, zuden über Jahrtausende gewachsenen Wirklichkeiten. Wir als WanderführerInnen können Begleiter zu den Säulen, zu den kleinen und großen Situationen sein.

Auf einem Felsenhügel steht eine Burg, die bereits vor 52 Jahren bedeutsam sein durfte. Viele Tausend SüdtirolerInnen sind hier her gekommen, um zu erfahren, wie es wohl weiter gehen kann. Vieles stand in Unsicherheit und die Menschen brauchten einen gangbaren Weg.

Auch heute scheint Vieles in Unsicherheit. Die rein rationalen Linien der vergangenen Jahrzehnte haben Löcher gerissen und Ratlosigkeit macht sich breit. Es ging nur nach vorne, immer schneller und höher und irgendwo und irgendwie ist das Menschsein auf der Strecke geblieben. Menschsein bedeutet, Körper, Geist und Seele gleichermaßen und maßvoll in Verbindung zu bringen und gleichgewichtig zu erfahren.

Die Stille des Gebetsraums erlaubt den bewussten Blick auf das Flusslicht und ich spüre, dass wir an einem Anfang stehen. Ganz deutlich ist der Hinweis da, dass schlussendlich nur die Natur selbst gleichgewichtiges Fundament für einen Neubeginn, für eine Neue Zeit sein kann.

Und plötzlich durchströmt mich Freude und anspruchsvolle Erwartung und ich fühle, dass der Weg bereits begonnen hat und, dass wir dabei sein dürfen.

Der Raum füllt sich und Frauen und Männer betreten das Podium, stellen sich den fragenden und vorbereiteten Mündern. Und da ist keine Angst, keine Unsicherheit. Eine kleine Gruppe von Menschen geht selbstbewusst ihren Weg.

Der Rahmen ist weit geworden. So weit und einladend, dass sich die Linien finden werden in ihren Schwingungen und geduldigen und kreativen Rundungen. Die rein rationale Linie wird sich nach und nach beruhigen und ihren Frieden finden im breitgesteckten Rahmen.

Rahmenbedingungen sind wie Hinweisschilder. Sie geben die Richtung an, sind aber nicht Zwang. Eher eine beglückende und zielführende Möglichkeit, empfundene Freiheit.

Der Abend ist schon lange nicht mehr ausschließlich der Abend der WanderführerInnen. In die Gesamtheit des Menschseins haben sich die Gedanken auf dem Podium gelegt und nur beiläufig geht es um Fragen über 100 oder 0.

Der volle Saal macht keine Angst. Eher ist er Motivation und Aufgabe.

Bevor der berühmteste Bergsteiger der Welt und Hausherr den Raum besetzt, scheint es als würden die Menschen im Saal das Flusslicht nötig brauchen und auch die Türme, Säulen und Brücken und Verbindungswege.

Wir am Podium sind uns dessen bewusst. Wir wissen einen steilen und anspruchsvollen Weg vor uns. Wir wissen aber auch, dass der Weg im Gehen entstehen wird und dass wir mit all unserem Sein mitwirken dürfen, dass das Flusslicht Natur und Menschen zusammen bringt und eine Neue Zeit einleiten wird, die uns, Menschen sein lässt. Eine Neue Zeit, die wir leben dürfen. Erleben. Nicht gelebt werden, denn gelebt werden, bedeutet tot leben.

Darf mich bei Euch allen für das Vertrauen und die freundliche Aufnahme bedanken. Freue mich auf eine Zusammenarbeit, die uns fordert, nicht überfordert, die uns näher zu uns selbst bringt und uns befähigt, klare und starke Hinweisschilder zu sein.

25.März 2009


„Cinque Terre – geheimnisvolles Traumland, zwischen Himmel und Meer“

………….wir werden da sein vom 26. bis 29.März

Irgendwann im Jänner war ich im Land zwischen Himmel und Meer, um unseren Ausflug vorzubereiten. Bin die Wege gegangen, habe mit den Menschen, die dort wohnen dürfen, geredet, habe die Bauern beobachtet wie sie herunter gerutschte Steinmauern wieder aufrichteten, habe die Fischer gesehen, wie sie mit ihren kleinen, farbigen Booten aufs Meer hinaus gefahren sind,in der Hoffnung, dass diesmal die Ausbeutegrößer sein könnte.

Bald werden wir also aufbrechen und versuchen diese andere Weltzu erleben. In all ihren Besonderheiten, in ihrem Zauber.

Gegen 08.00 Uhr starten wir in Bozen Süd und werden bis zum Meer 4-5 Stunden benötigen.

Unser erstes Ziel ist Riomaggiore, eines der 5 Dörfer, von Cinque Terre.

Nach einem Mittagessen im Fischerdorf, dürfen wir auf einem der schönsten Spazierwege weltweit,unseren Verdauungsspaziergang machen: auf der weltberühmten Via dell’Amore. Man kann diesen Weg in „Hausschuhen“ gehen. Wir wollen uns Zeit nehmen und einfach ankommen und genießen.

Nach dieser ersten Begegnung mit dem Meer, werden wir mit dem Zug zu unserem „Wohnort“ Vernazza, fahren. Vernazza ist vielleicht das schönste der 5 Dörfer. Wollte Euch nicht in einem Touristenhotel unterbringen, sondern dort wo es am schönsten ist. Dafür werden wir auch die Steinstufen zu unseren Unterkünften in Kauf nehmen.

Nach der Zimmerzuteilung treffen wir uns zum gemeinsamen Abendessen. Die Abendstimmung in Vernazza kann ich mit meinen bescheidenen Worten kaum beschreiben und will es auch nicht.

Am Freitag frühstücken wir am Hafen und anschließend beginnen wir unsere erste größere Wanderung von Vernazza nach Monterosso. Im Prospekt stehen

2 Stunden reine Gehzeit. Wir werden dafür den ganzen Freitag verwenden. Wir wollen die Wanderung wie ein Fest feiern: gehen, staunen, rasten, essen, trinken, beobachten, nachdenken, hoffen, uns freuen und da sein. Zwischen Himmel und Meer, Stiegen hinauf und hinab, vorbei an Orangen- und Zitronenhainen, an Olivenbäumen und an vielen Blumen und Sträuchern.

Die Altstadt von Monterosso wird uns Freund sein und am Abend werden wirzu unserem Ort am Meer, nach Vernazza, mit dem Zug zurück fahren.

Inzwischen haben wir uns an Vernazza gewöhnt und wir fühlen uns wie zu Hause, in unseren Unterkünften und beim Abendessen.

Am Samstag geht’s in die andere Richtung. Wir wollen nach dem Frühstück nach Manarola wandern. Wieder geht es bereits in Vernazza die vielen Stufen hinauf und die herrliche Aussicht belohnt unsere Anstrengung.

Jetzt stehen offiziell 2,5 Stunden Gehzeit auf dem Papier und wieder werden wir einen gesamten Tag dieses herrliche Land und Meer bestaunen und genießen.

Zwischen Vernazza und Manarola finden wir unterwegs das 5. Dorf: Corniglia.

Alle 5 Dörfer sehen irgendwie gleich aus und doch sind sie grundverschieden.

Die Häuser wie ineinander verschachtelt, so als würden sie in die Höhe zum Licht streben wollen, wie die Bäume und Pflanzen in einer tiefen Schlucht. Dazwischen die gepflasterten Stiegenwege, die zu jeder Tageszeit in ein anderes Licht tauchen und sich den Besuchern freundlich zeigen.

Am Sonntag wollen wir alle Dörfer und alle Wege noch einmal in Erinnerung rufen und wir tun dies mit einer Schiffahrt vor den vertrauten Dörfern und steil abfallenden Hängen. Unser Schiff wird uns bis nach La Spezia bringen und dort werden wir wieder zurückkehren in unsere Heimat.

Gegen 19.00 Uhr werden wir in Bozen Süd ankommen.

Montag, den 30. März 2009


Berggasthaus Stallwies Martelltal

1.Treffen:natur&kultur&mensch“ oder erkenntnis&weg&vision


Anwesende: Familie Stricker, Herr Fleischmann Johann –Gemeindereferent, Herr Günther Pircher – Präsident TV-Martelltal, Herr Karl Perfler, dipl. Wanderführer und

Thema: das Bestreben, auf dem ehemaligen höchsten
Kornhof Europas, wieder Korn anzubauen.

Zielsetzung: Durch die Symbolkraft des Kornfeldes, die suchenden Menschen – Einheimische und Gäste, für die Beziehung zwischen Natur und Mensch zu sensibilisieren.

Der Berghof Stallwies soll zu einem Ort der Begegnung, des Gedankenaustausches werden.

Folgendes wird vorausgeschickt: Karl Perfler aus Goldrain ist seit Jahren bemüht, Gäste und Einheimische für die Natur, für unsere Kulturlandschaft zu begeistern. In den vergangenen 4 Jahren durfte er als geprüfter Natur- und Landschaftsführer, viele tausend Personen durch die Heimat Südtirol und zu den Nachbarregionen, begleiten.

In all den Begegnungen mit Natur und Mensch ist in seinem Innern etwas gewachsen, das er nun bewusst an die Mitmenschen weitergeben möchte.

Dabei will er sich bei den Bauern, besonders aber bei den Bergbauern für ihren unendlichen Einsatz als Kultur- und Landschaftspfleger, bedanken.

Die Gastgeber haben den Wert einer aufrichtigen und intakten Naturlandschaft noch nicht ausreichend erkannt. Man ersieht das in ihren Werbestrategien, in ihren Einkäufen und in ihren Denkfehlern.

Sehr oft unterliegt man den kurzfristigen Modeerscheinungen und ist sich der eigenen Stärken nicht oder zu wenig bewusst.

Dabei haben wir unsere Stars: die herrliche Landschaft, unsere Kulturlandschaft, die starken Menschen, die unsere Geschichte geprägt haben und die auf steilen Berghängen ausharren und damit das Urlaubsland Südtirol so anziehend und unvergleichlich machen.

Wir brauchen deshalb aufrichtige Orte, Aktivitäten und Situationen, die Menschen sensibilisieren helfen und die Gäste begeistern können.

Neben den starken Säulen der Apfel- und Wein- und Milchwirtschaft, muss es unser Bestreben sein, parallel dazu eine Selbstversorgerwirtschaft auf zu bauen, bei der die Menschen ihre ganze Kreativität, ihre Lebensfreude wieder neu entdecken dürfen und beitragen können, gesunde und aufrichtige Lebensmittel herzustellen.

Den Menschen auf steilen Berghängen sollte der nötige Respekt, die größere Aufmerksamkeit zu teil werden und dies kann man dadurch beweisen, in dem man Ihnen ihre Erzeugnisse gerecht bezahlt.

Unsere Heimat würde dabei ein neues Gesicht bekommen und dies würde wiederum dem Tourismus zu gute kommen.

Wir SüdtirolerInnen brauchen den Weg zu unserem Kern, zu unseren Wurzeln und zu unserer Herkunft. Aus diesem starken Kern, aus dieser inneren Kraft heraus wird es uns möglich sein, Entwicklungen bewusst, frei und selbstständig zu steuern und zu fördern. Dadurch werden wir das gute Gefühl haben, Teil der Entwicklung zu sein. Wir werden auf unserem Weg, der nach und nach entstehen wird, im Zentrum stehen und nicht von außen beeinflusst und entfremdet werden. Unterwegs werden wir kontinuierlich lernen und stetig wachsen. Begeistert und froh werden wir unseren Mitmenschen und unseren Gästen von unseren eigenen Erfahrungen berichten. Das bedeutet Gastfreundschaft – das bedeutet Lebensqualität für uns als Gastgeber und Erlebnisreichtum für den Gast.

Die ausgeprägte Kultur und Identität im Allgemeinen und die Musik, die Poesie, die Literatur, die Kunst im Besonderen, werden uns dabei begleiten. Sie werden Hilfestellung geben für ein breites Erfassen unserer Möglichkeiten und Wege.

Das Kornfeld auf Stallwies kann nur ein Anfang sein. Aber es ist ein Anfang. Der Weg wird im Gehen entstehen.

Die Familie Stricker begrüßt Günther, Johann und Karl freundlich. Man spürt sofort die Bereitschaft, gemeinsam einen Weg zu gehen, der Möglichkeiten einer weiteren lohnenden und sinnvollen Entwicklung, eröffnet.

Der Altbauer beginnt begeistert zu erzählen und erinnert daran, dass seit 1968 auf Stallwies kein Korn mehr angebaut wurde.

„Vorerst sind aber einige Vorarbeiten notwendig, bevor wir mit dem Aussäen beginnen können“, meint nachdenklich Eduard, der Altbauer. „Der Berghang, der geeignet wäre und den wir zur Verfügung stellen würden, ist steil und mit einem Traktor geht da nichts. Wenn der Mond unter der Erde ist, müssen wir umfahren (pflügen) und zwar mit einer Seilwinde. Dann muss man mit der Egge drüber, um das Gras von der Erde zu entfernen und den Acker herzurichten.“

Günther, Johann und Karl schauen sich gegenseitig an und alle drei wissen: die Egge werden sie ziehen. Man will einen Anfang machen und dabei sein.

„Früher hat dies der Bauer mit seinen Kindern gemacht. Der Bauer ganz vorne und die Kinder ein bisschen dahinter, damit sie nicht die ganze Last hatten. Und übrigens: wir sind hier im Nationalpark und wir brauchen eine Genehmigung, damit die Fläche umgewidmet werden kann. Dafür ist Dr. Platter zuständig“.

Karl sagt zu, dass er sich um diese Genehmigung kümmern wird.

„Und dann: ohne Zaun geht nichts. Da frisst uns das Wild alles weg.“

Hans meint jetzt: „Ja, dann müssen wir einen schönen Holzzaun errichten, nicht einen Drahtzaun, der passt nicht hier her.“

Der Zaun sollte spätestens im August errichtet werden.

„Ja, wie groß soll der Grund, den ich Euch zur Verfügung stellen soll, wohl sein?“, fragt Eduard. Die drei aus dem Tal schauen sich gegenseitig an und denken jetzt wohl daran, wie sie die Egge über den Acker ziehen werden.

„Denke an eine Fläche von 1 Ar. Wieviel ist eigentlich ein Ar?“ Niemand weiß eine genaue Antwort. Eduard weiter: „So 30 mal 30 Meter müssten es schon sein“. Günther pflichtet ihm bei. (Das sind dann 10 Ar. Inzwischen weiß ich es. 1 Ar sind 100 Quadratmeter, 10 Ar würden dann eine Fläche von ungefähr 30x30 ergeben)

„Eintausend Quadratmeter“, das ist eine schöne Fläche meint jetzt auch Johann.

Alle nicken und in der Stube ist ein Lächeln. Auch die Buben vom Altbauer scheinen zufrieden und alle scheinen sich zu freuen. Man spürt, dass da etwas neu beginnen könnte, das bereits weit weg schien.

In diesem Moment legt Oswald, der Jungbauer eine herrliche Marende auf den Tisch. Der Wein mundet und alles schmeckt bestens.

„Da wir eine funktionierende Mühle haben, können wir das Korn dann auch vor Ort mahlen“, stellt Eduard zufrieden und stolz fest.

Mit einem guten Gefühl, verlassen alle die Stube, gehen ins Freie und beim Abschiednehmen sind sich alle bewusst, dass dies nur ein Anfang sein kann.

Auf den Bergwiesen liegt noch tiefer Schnee und vom Joch bläst kühler Märzwind. Günther, Johann und Karl bedanken sich bei der Familie Stricker. Für das Vertrauen, für die Bereitschaft ihren Grund für ein Projekt zur Verfügung zu stellen, für die herrliche Marende.

Brot ist ein Grundnahrungsmittel und wir versuchen respektvoll mit Brot umzugehen. „Unser tägliches Brot gib uns heute“, so beginnen wir unser Gebet und wir wissen: am Anfang stehen der Wille, die Bereitschaft, die Begeisterung, der Acker, der Fleiß, das Wissen, die Erfahrung, die Kraft der Sonne, die herrliche Bergluft. Alle spüren sie das, die heute auf Stallwies über einen Weg nachgedacht und geredet haben. Aus dem Kornfeld können neue Wege entstehen, die uns allen und unseren Gästen Freund sein werden.

Donnerstag, 02. April 2009


"Gedankenaustausch in Laas“

Dietmar Spechtenhauser begrüßt und erklärt den Grund der Zusammenkunft.

„marmor&marillen hat einiges bewegen können und wir freuen uns über die gute Entwicklung und die gute Zusammenarbeit mit verschiedenen Partnern. Ursprünglich entstanden, um Menschen nach Laas zu bringen und für die Kaufleute in Laas mehr Aufmerksamkeit zu bekommen, ist marmor&marillen zu einem Kulturfest, das in ganz Südtirol bekannt ist, heran gewachsen. Kultur und Wirtschaft arbeiten gemeinsam. Die Wirtschaft braucht die Kultur, die Kultur braucht die Wirtschaft. Die Brücke zwischen beiden sind zwei starke Säulen in Laas: die Marille und der weiße Stein, der Marmor.“

Dr.Wilfried Stimpfl hebt die Bedeutung des Kulturfestes hervor und freut sich ebenso über den erworbenen Bekanntheitsgrad. „Von der Wirtschaft aus einer Notwendigkeit erdacht, vom BA-Laas begleitet und weiterentwickelt, zeigt das Fest die mögliche und notwendige Symbiose zwischen Kultur, Bildung und Wirtschaft“.

Karl Perfler spricht über die drei Dimensionen: Erkenntnis – Weg – Vision. „Das beobachtete Wunder der Marillenblüte hat mir einen Qualitätssprung erlaubt, der mich befähigt, die Natur mit den Menschen in zielführende Verbindung zu bringen. Als Brücke zwischen Natur&Mensch fungiert in meiner Arbeit die Musik, die Poesie und Literatur. Dabei werden die kognitiven Fähigkeiten der Menschen angeregt und gefördert: Begeisterung, Leidenschaft, Aufmerksamkeit, Kreativität.

Dies alles ergibt schlussendlich einen gangbaren Weg. Die rein rationale Linie hat sich geirrt und wünscht sich ein Kreis zu sein. Immer schneller, höher, weiter geht nicht. Es braucht die Rundungen, die Kreisläufe, die Aufbruchstimmung und Rast, das Säen und die Ernte, die Vorfreude und Freude. Die Natur ist uns Begleiter. Die Kunst, die Musik sind unser Geländer, das uns nicht nur schützend begleitet, sonder wir können uns daran auch festhalten.

Aus dieser Kernaussage, aus dieser inneren Kraftheraus gebärt eine Vision. Um die VISION auf den Weg zu schicken, müssen wir die Startrampe noch festigen. Unser Haus, unser Gesicht, unsere Heimat, die Bilder unserer Heimat sollten stimmig und in Freundschaft mit unseren Sehnsüchten - wohl gemerkt mit den eigenen Sehnsüchten, nicht mit jenen, die von außen auf uns durch Werbung und tendenziöser Absichten herangetragen werden - gefestigt und gestärkt werden. Dann ist ein gangbarer Weg möglich, der zur Vision für uns, für unsere Nachbarn, für Europa werden kann.

Erkennen – Gangbarer Weg – Vision

Das Erkennen führt uns in die Natur. Hier finden wir Anhaltspunkte, Symbole, Wegweiser, die Kreisläufe, die Ausgewogenheit, die Aufbruchstimmung, die Vollendung, die Rastund die Ernte. Die Natur täuscht uns nicht. Sie liebt und ruft uns und wird uns in eine Neue Epoche begleiten. Diese Neue Epoche werden wir fördern und unterstützen, damit sie sich auf unser Europa ausbreiten kann.

Dieses Bemühen um den Weg, die neu entdeckte Begeisterung ist der Weg selbst. Der Weg wird im Gehen, im Unterwegssein entstehen. Diese wunderbare, aber auch anspruchsvolle Aufgabe wird uns näher zum Menschsein heran führen, denn: wir kommen in dieser Aufgabe selbst vor. Wir können unsere eigene Fähigkeiten neu entdecken, ihnen Freiraum gewähren und sie für uns und unsere Mitmenschen einsetzen.“

natur&kultur&mensch wird die Erkenntnis, der Weg und die Vision sein. Die Sage vom TartscherBichl können wir auswendig lernen. Wörter und Worte neben einander reihen und sagen. Die Sage vom Tartscher Bichl bringt uns durch die emotionale Kompetenz aber Bilder, die uns von Menschen erzählen, die auf der Suche waren und sind.

Das Unmessbare, das Undefinierbare, das Unbegreifliche wird angefleht und verherrlicht. Opfer- und Kultplatz.

Die Menschen haben nun zum Essen – die Großwildjagd ermöglicht Zeit. Zeit zum  Nachdenken und für die Gemeinschaft.

Der Körper ist gesättigt und dadurch entstehen Freiräume für die Seele, für den Geist.

Wenn die rein rationalen Linien unentwegt nach vorne wüten, gibt es keinen Spielraum für Seele. Die Katastrophe kann beginnen. In der rationalen Not können Menschen nicht mehr auf ihre emotionale Kompetenz, auf ihre kognitiven Fähigkeiten zurückgreifen, da sie keine mehr vorfinden werden.

Die rein rationalen Linien haben unterwegs kein Erkennen, kein Wachsen, keinen gleichgewichtigen Weg erlaubt. In dieser Hoffnungslosigkeit wird ein Kampf beginnen: um das Überleben. In diesem Kampf werden die emotionalen Fähigkeiten fehlen. Es wird keine Rücksicht, keine soziale Ordnung, keine Toleranz, kein Erbarmen geben. Die Geschichte hat uns dieses Szenario bereits gezeigt.

Schuldzuweisungen bringen nichts.

Wir müssen Menschen, Raum und Land bereiten: für die Zeit nach der Suche. Dabei werden wir unseren Kern, unsere Kernkraft finden und daraus einen Weg gehen, der Entwicklung, Entfaltung ist. Denken wir auch an das Glück der Anstrengung, an die Fähigkeit der Lust und Begeisterung.“

Flusszeit - Zeitfluss

oder der Weg zum bewussten Sein.

Artikel für die Jugendzeitung von

Karl Perfler

Was ist Zeit?Zeitbeschleunigung – Zeitentschleunigung.

Sinnvolle Zeit und verlorene Zeit.

Zeitgefühl und die Qualität der Zeit.

Setze mich hin, denke nach, schreibe Stichwörter auf, stehe wieder auf und gehe hinaus und komme wieder zurück.

Wo soll ich beginnen, wo aufhören, was soll ich beschreiben und wie?

Es ist für mich nicht leicht das Thema Zeit in eine Geschichte zu verpacken.

Und trotzdem: beim Nachdenken über die Zeit, empfinde ich die Zeit als etwas Interessantes und Spannendes. Nehme mir Zeit für die Zeit. Nehme mir Zeit für meine Zeit. Und schon bin ich mitten drin im Leben. Welch lohnendes Gefühl.

Die bewusste Zeit schenkt mir jetzt Bilder.

Zeit als eine weite Landschaft, die sich über unsere Aufmerksamkeit freut. Und dann ist da die Wahrnehmung als eine höhere Stufe der Aufmerksamkeit und eine bewusste Begegnung mit allen Sinnen. Aug und Ohr sind überfordert - überall Farben und Lärm im Überfluss - und freuen sich über die Unterstützung durch das Ertasten, Erfühlen, Riechen und Schmecken.

Zeit liebt die Gesamtheit und das Gleichgewicht. Und in der bewussten Zeit leben wir diese fordernde, aber nicht überfordernde Aufgabe, ganz Mensch zu sein. Wir sind unterwegs und damit nicht der Zeit unterworfen: denn der Weg ist bereits das Leben, das Ziel.

Manchmal möchte ich mich wegträumen von den gläsernen Scheinwelten, hin zu den Baumhorizonten hinter goldgelben, hügeligem Land. Und doch: das Leben wird dann zum Erleben, wenn wir die Einladung zum Tanz der Winde, offen und bewusst annehmen. Träume mich weg vom Lärm der Zeit und von den Oberflächlichkeiten, vom Überflüssigen und Aufgezwungenen und bin mir selbst und meiner Zeit nahe.

Ganz deutlich sehe ich einen jungen Baum, der sich in Richtung Sonnenberg bewegt. Er nimmt sich Zeit, eine Auszeit für den Berg der Sonne und unbewusst ist er bereits unterwegs. Sein Weg hat mit dem ersten Schritt begonnen und wird im Gehen entstehen, sich weiter entwickeln.

Für Zeit lösen sich die angestrebten Zahlen und Quoten der Jugend in den Träumen für die Zukunft auf und der Weg wird zu einem Weg der Sehnsucht und der Suche.

Endlich Zeit haben für sich, für eine Begegnung mit dem eigenen Sein, mit dem eigenen Dasein. Die Stille ermöglicht ein in Sich-Hineinhören, erlaubt Fragen und sucht geduldig nach Antworten. Die Freundschaft mit der eigenen Zeit tut gut und öffnet neue, gangbare und erfüllende Wege.

Der junge Baum hat es satt als Kopie durch das Leben zu gehen. Er will zu seiner Einzigartigkeit zurück finden. Irgendwann in seiner Kindheit war er seiner Einfachheit, seiner Zeit, seinem Ich ganz nah.

Zu früh und unvorbereitet sah er sich in einem Fluss der Gesellschaft, der ihn mitgerissen hat. Beeinflussungen und immer neue Antreiber, Schnellermacher,

Quotensammler und Zahlengaukler. Belehrer und Besserwisser, kurzfristige Modeerscheinungen, die verwirren und abhängig machen, in die Höhe heben und fallen lassen. loben und links liegen lassen.

Nein, der junge Baum wollte sich befreien, nicht unbewusst mitschwimmen, sondern den Fluss beobachten. Leben, nicht gelebt werden. Nicht der Fluss fließt, sondern das Wasser. Nicht die Zeit vergeht, sondern wir vergehen.

Der Stolz, einzigartig zu sein und die Kraft und der Mut für eigene Wege, haben den jungen Baum zum Sonnenberg geführt.

Lernjahre und Überleben, Hügellandschaften des Lebens, Schatten und Licht und die Fähigkeit für den eigenen Weg der Stille, der bewussten Zeit.

Die Fähigkeit, das Kind in sich zu spüren, hat den jungen Baum nicht verlassen. Die Stille hat den Lärm besiegt und schenkt Spielraum und Leben, den Gesang und den Tanz.

Es ist herrlich hier. Die goldenen Gräser, die den schwierigen Bedingungen trotzen und die bunten Schmetterlinge, die um die Wette flattern.

Vom Wind geschützt und stark und fest, steht in einer Mulde ein alter Baum. Der junge Baum sieht ihn und freut sich. Er wird seinen älteren Freund um Rat fragen.

Freundlich winkt der Baum in der Mulde mit seinen Zweigen und es ist ein Fest auf dem Sonnenberg. Das Erkenntnis- und Erfahrungswissen des alten Baumes trifft sich mit der Neugierde und dem Suchen des jungen Baumes.

Zwei Generationen, frei und auf getrennten Wegen und doch durch das weite Land der Zeit verbunden. Der alte Baum will nicht belehren. Er versucht Bilder zu bauen in denen sich der junge Besucher wieder finden kann.

„Mein Freund, dadurch, dass Du aus dem Lärm der Zeit ausgestiegen, von den unbewussten Beeinflussungen los gekommen bist, wirst Du zum Beobachter der Zeit. Die Zeit lebt nicht Dich, sondern Du wirst die Zeit leben, bewusst erleben. Mit der Zeit wirst Du für dich eine Festigkeit erarbeiten, die dir alle Entwicklungen offen lässt. Du wirst einen eigenen Weg finden und gehen können. Den ersten Schritt in die richtige Richtung hast du bereits gesetzt, du bist bereits auf einem Weg, der dich immer näher zu dir selbst und damit näher zu deinen Mitmenschen und zu deiner Umwelt führen wird.

Schlussendlich werden dir deine eigene Kraft und Stärke alle Vorurteile und die Angst nehmen. Wer stark und selbstbewusst ist, fürchtet das Fremde, das Unbekannte nicht. Er freut sich auf die Begegnungen mit dem Anderen, denn er möchte von seinem eigenen Weg erzählen und sich vom Neuen bereichern lassen. Nur der etwas Eigenes in sich trägt, wird ein guter Erzähler und Gastgeber sein können.“

Der junge Baum hat aufmerksam zu gehört. Er freut sich und trotzdem hat er Unsicherheiten und Zweifel.

„Mein Freund, du gibst mir Kraft und Zuversicht und deine Worte haben mich tief berührt. Wie kann ich aber stark genug werden und in dieser Gesellschaft bestehen, ohne Spielball der Mächtigen und der tendenziösen Entscheidungsträger zu sein? „

Der alte Baum freut sich über den Eifer seines jungen Freundes.

„Niemand kann für dich deinen Weg gehen. Du selbst bist dein Weg und diese deine innere Kraft, die dich auf den Berg der Sonne begleitet hat, ist dein Basislager. Du kannst immer wieder zu dieser deiner inneren Stärke zurückkehren. Der Weg ist das Leben. Das Leben wartet nicht irgendwo hinter den Horizonten. Das Leben ist jetzt. Fülle die Zeit mit Leben, mit deinem Leben.

Nur wer sich selbst liebt, kann seine Mitmenschen lieben. Passe dich nicht an, sei nicht Kopie, sondern folge deinem Herzen und du wirst lieben können.

Die Liebe zu dir selbst stärkt die Liebe zu deinem Nächsten, die Liebe zu deiner Heimat, erlaubt dir den Respekt vor andern Kulturen und vor den Fremden.

Freiwillig wirst du deinen Körper üben und deine Seele trainieren, denn du wirst von einer Sehnsucht nach noch mehr Tiefe und bewusstem Erleben, getragen werden.

Messe das Messbare und bewege dich zum Unmessbaren. Das nach menschlichem Maße Unmessbare hat keine Zeit. Wir können es nicht in Zeit erfassen, weder mit Worten definieren. Manchmal aber können wir es erahnen. Dann wenn es still ist und dann wenn wir das Kind in uns spüren dürfen. Mit dem Messbaren und Unmessbaren tragen wir Zeit und Ewigkeit in uns“.

Draußen ist es hell geworden. Die Sonne gibt dem Morgen Kraft und dem Tag seine Zeit. Der Traum vom Sonnenberg ist noch da und vereint sich mit der Wirklichkeit des Tages imGleichgewicht.

Die Zeit der Aufmerksamkeit und der Wahrnehmung für die rein rationalen Linien ist vorbei. Jetzt wünschen sich die Linien, ein Kreis zu sein. Vorerst aber bleibt der Eingang in den Kreisfür die rein rationalen Linien versperrt.

Die geschwungenen Kreislinien freuen sich über ihren Spielraum, über ihre Zeit und über viele interessante Begegnungen. Sie kennen die notwendige Winterrast, den fröhlichen Frühling, den schöpferischen Sommer und die Vollendung im Herbst. Sie werden den suchenden Linien dann den Kreis öffnen, wenn die Zeit gekommen sein wird.

Nicht eine Zeit diebefiehlt, darüber fährt und auslöscht, sondern eine Zeit, die bewusst gelebt werden kann.

Die Jugendlichen dürfen sich auf eine wunderbare Aufgabe, auf eine Aufgabe des Lebens freuen. Ihre Zeit ist jetzt und sie werden ihre Zeit mit Leben füllen.

Die Menschen werden den Kreis wieder neu entdecken, die guten Nachrichten werden wieder Spielraum finden und das Dunkel und die Schatten besiegen.

Das Leben ist schön und die Zeit darf nicht von dunklen Mächten ausgelöscht werden. Es beginnt eine Epoche der Kairos Zeit, der bewusst gelebten Zeit.

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